newsletter-header-buerofuergegenwartskunst
Die Gegenwart grüßt

Untertauchen in eine
Disco im Rückwärtsgang

Für den Künstler selbst sind sie Wanderer. 2016 tauchten Max Grüters "Erdtaucher" (siehe Bild) schon einmal am Gotthardpass – also mitten im Nirgendwo auf. Jetzt sind die Betonskulpturen nach Feldkirch weitergewandert. Zum Luftholen in der Johanniterkirche. Entworfen hat sie Grüter am Computer, seit 1995 arbeitet er rein digital. Um sie dann aber doch in schwerem Beton gießen zu lassen. Immer anders, je nach Füllmenge, geraten die Taucher. Schwer wiegt der Inhalt, den seine Figuren mitführen. In seiner "subversiven Befragung des Seins" denkt er auch über Folgendes nach: "Vielleicht ist der Körper ein Auslaufmodell und es bilden sich bald andere Formen der Existenz." Und weiter: "Auf jeden Fall müssen wir dringend schauen, dass wir die großen Fragen lösen, bevor unser Planet kaputtgeht." Wir nickten zustimmend, als wir diesen Satz lasen. Warum wir das aktuelle Projekt in der Johanniterkirche zum Auftakt unseres Newsletters machen? Na, weil's heute ums Untertauchen geht. Genauso wie ums Nachdenken über Umwelt, die Natur, den Menschen, der ihr oft ein uncooler Partner ist. Und letztlich, weil diese Verbindungen die Gegenwartskunst auch 2022 noch beschäftigen werden. Nicht umsonst hat Monopol Donna Haraway (hier ein Porträt) heuer zur wichtigsten Person im Kunstbetrieb gewählt. Ihr "Unruhig bleiben" haben auch wir uns auf unsere kreativen Fahnen geschrieben. In Ausstellungen wie "unlearning categories" in Bozen oder in "Staying With The Trouble", dem Schwerpunkt der Kunst im öffentlichen Raum in Tirol hallten heuer die Thesen ihrer Standardwerke nach. Vielleicht habt ihr an Weihnachten Lust, da noch einmal tiefer einzutauchen? Ginge damit, damit aus dem Belvedere 21 oder eventuell auch damit. Und damit ihr euch schön konzentrieren könnt – aufs Dazulernen und/oder aufs ausgiebige Keksfuttern – wird dieser Newsletter für einige Weihnachtswochen pausieren. Richtig, wir tauchen unter! Um 2022 umso geiler wieder aufzutauchen – mit neuen Fragen, wie Max Grüters Erdtaucher. Wer es bis dahin nicht ohne uns aushält, kann ja noch einmal das Kunst(halb)jahr Revue passieren lassen – mit unserem Newsletter. Auf unserer Homepage haben wir euch dafür ein Letter-Archiv angelegt. Und auf den Socials sind wir sowieso 24/7 aktiv. Bis zum Wiedersehen 2022 also. Bleibt unruhig!
Max GrÅter.TauchgÑnge_Credit.Patricia Keckeis
Studio3_2021_(c)Christa Pertl-00004962
Studio3_2021_(c)Christa Pertl-00004902
image003
Ja, ja, ja, bevor wir uns verabschieden, haben wir noch was für euch. Mal wieder Lust auf ausgiebigen Lese-/Hör-/Sehstoff? Auch der ist auf unserer schönen Online-Plattform zu finden. Schon vor ein paar Monaten haben wir in unserem Umkreis Ausbildungsstätten aufgesucht, die intensiven Kontakt mit der Jetztkunst pflegen. Wir haben in den Werkstätten der Bildnerischen in Innsbruck herumgeschnüffelt, am Institut für Kunstgeschichte gefragt, wie wichtig die Gegenwart in der Geschichte ist – und sind jetzt zu den angehenden Architekt*innen am ./studio3, dem Institut für experimentelle Architektur übergelaufen. Denn die sind mindestens genauso oft in Museen und Kunsträumen unterwegs wie im Hörsaal. Im Idealfall jedenfalls. Institutsleiterin Kathrin Aste hat uns erst bewusst gemacht, wie wichtig bildende Kunst für ihren Studiengang ist. Erst die Kunst mache es der Architektur möglich, sich freizuspielen von den Zwängen, denen sie normalerweise unterliegt, sagt sie. Das Experiment wächst sich beim ./studio3 auch in konkreten Bauprojekten aus. Etwa dieses oder dieses. Berüchtigt sind in Innsbruck auch die Stadtraumskulpturen des ./studio3, die immer wieder einmal im öffentlichen Raum aufploppen. Zuletzt haben Studierende die architektonische Soundinstallation barbra schreisand (Bild 3) in den Stadtraum gestellt. Noch viel, viel mehr dazu findet ihr ab nächster Woche auf unserer Webseite. 1 Klick genügt.
An dieser Stelle folgt eine kurze
Wenn dir unser Content gefällt, kannst du uns einen Kaffee spendieren.
Pause Ende, jetzt weiterlesen:
Ihr wollt noch mehr? Ausstellungstipps habt ihr ja schon in unseren letzten Newsletterchen bekommen. Choose wisely: Wollt ihr a) in der friedlichen Weihnachtszeit richtig produktiv sein? Coolste und/oder relevanteste Ausschreibung zurzeit ist diese der OÖ-Kultur: Gesucht werden bis Ende Jänner 2022 Papers zur Geschichte vor der Geschichte des Metaverse. Wenn ihr euch gerade forschend mit kulturellen Implikationen des analog-digitalen Kollektivraums beschäftigt, seid ihr hier sowas von richtig. Oder wollt ihr euch b) eher chillend aufs Superkunstjahr 2022 einstimmen? Von den großen Biennalen haben wir ja auch schon ausführlich berichtet. Umso mehr haben wir uns diese Woche über die News der Biennale Gherdeina gefreut, die im Mai im Grödental startet und jetzt schon ihre Künstler*innen-Liste veröffentlichte. Mit Etel Adnan und Jimmie Durham sind 2 internationale Größen dabei, die leider gerade verstorben sind. Weil die Biennale aber nicht nur auf den Austausch von Kunst, Natur und Tradition setzt, sondern dort traditionell auch heimische Künstler*innen auf internationale prallen, sind Südtiroler Positionen gut vertreten. Mit dabei sind Barbara Gamper oder Martina Steckholzer. Durch Steckholzers schöne Ausstellung in Brixen sind wir 2020 gern gewandert und haben euch damals auch mitlesen lassen (siehe Bild 1). Oooder wollt ich euch c) doch noch neue Kunst ansehen? Weil der Begriff Biennale gerade fiel: Erinnert ihr euch noch an den Schweizer Pavillon der Venedig-Biennale 2019? Die Disco im Rückwärtsgang? Der Kunstraum Innsbruck hat die CH-Pavillon-Künstlerinnen Pauline Boudry und Renate Lorenz für die aktuelle Schau "Silent Manifesto" geladen – eine reduzierte, sleeke Show (Bild 2), die zwischen Film, Performance und Konzept changiert. Und zudem deep dive-t in Queer Art und Aktivismus. Ziemlich cool! So, das wars aber von den Tipps für heuer.
Bildschirmfoto 2021-12-17 um 08.43.27
Bildschirmfoto 2021-12-16 um 20.56.41

WHAT'S NEXT?

1 noch: Aber weil unsere Geschenkempfehlung von letztem Mal so gut ankam, hier noch ein tiny Neuling in unserer Bibliothek, den man geradezu ideal verschenken kann. Hans Ulrich Obrist hat's wieder mit Édouard Glissant gemacht. Schon Mitte der Neunziger haben sie über das "Archipelago" als Metapher für eine reichhaltige, diverse Gesellschaft gesprochen. Ganz nach dem Vorbild der Natur. Da wären wir also wieder am Anfang angekommen. Das Miniformat bekommt ihr beim Buchändler eures Vertrauens. Ihr habt inzwischen ein gutes Jahresende. Wir lesen uns 2022 wieder.
Bildschirmfoto 2021-12-17 um 18.22.32

Mehr auf buerofuergegenwartskunst.com

Bildcredits: (1) (c) Patricia Keckeis (2) 2x c) BfG & c) Daniel Jarosch/Heart of Noise (3) c) BfG, Ausstellungsansicht "Silent Manifesto", Kunstraum Innsbruck & c) BfG, Ausstellungsansicht "Painting Corridors", Stadtgalerie Brixen, 2020 (4) c) BfG

"Die Gegenwart grüßt" ist
ein Newsletter von

LOGO-buerofuergegenwartskunst-1c
instagram youtube facebook custom custom 
Unterstützen:
Paypal | Buy me a Coffee
Logo_INNSBRUCK_stempel
BM-KK.cbda223.79e0f96a7def11457f163729e93c8e72
Landeslogo_sw