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KUNST LERNEN

Normalerweise korrespondieren wir mit Kurator*innen, Künstler*innen oder Wissenschaftler*innen, die es schon hinter sich haben. Viele von ihnen waren an der Universität oder der Akademie, um dort ihr Studium abzulegen. Und erinnern sich in Gesprächen gern an die Zeit zurück. In „Gegenwartskunst lernen“ geht es auch für uns noch einmal zurück in den Hörsaal. Wir haben das Gespräch mit Lehrenden und Studierenden gesucht, haben Lehrpläne und Schwerpunkte durchforstet – natürlich immer auf der Suche nach Jetztkunst. Als erstes haben wir uns in unserer nächsten Nachbarschaft umgeschaut. Wo lernt man rund um den Brenner etwas über Gegenwartskunst? Wie viel und wie gut? Und wie geht’s den Studierenden gerade?

Bildnerische Erziehung in Innsbruck:

350 Jahre ist Innsbruck Universitätsstadt – haben wir ja auch schon im Beitrag vorher festgehalten. Jüngster Zugang bei den Universitätsstandorten ist die „Bildnerische Erziehung“ des Mozarteums in der Tiroler Hauptstadt. Seit 2016 kann man hier Bildnerische Erziehung studieren, ein Bachelor- bzw. Masterstudium absolvieren, mit dem man nachher auch in Schulen unterrichten kann. Aber nicht nur – das betonen alle Lehrenden an der Bildnerischen. Zentral steht: Die Vermittlung von Wissen, Fähigkeiten und Techniken, um sich in einer visuellen und digitalen Welt orientieren zu können sowie diese künstlerisch mitzugestalten.

Von der Theorie wechseln wir in der Bildnerischen also schnell mal in die (künstlerische) Praxis. Wie genau das Studium aufgebaut ist und was man sich darunter vorstellen kann, haben wir Elisabeth Schmirl gefragt, die seit 2019 in Innsbruck lehrt und die Klassen Malerei und Bildhauerei leitet. Sie ist selbst Künstlerin, wie die meisten der Lehrenden.

Insgesamt 9 von ihnen waren unsere Gesprächspartner*innen. Und um dem Praxisbezug auch gerecht zu werden, haben wir sie gebeten uns auf ihre Weise zu antworten. Viele haben dafür Kunst gewählt. Kurzum: Es erwartet euch also ein kunstlastiger Beitrag. Abgeschlossen wird dieser von junger Kunst und den Eindrücken der Studierenden an der Bildnerischen. Inzwischen sind ihre Kunstwerke an mehreren Orten in Innsbruck zu entdecken. Checkt sie mit uns aus!

> Wildbild

ELISABETH SCHMIRL

(*1980) ist Lehrende und Künstlerin und leitet an der Bildnerischen in Innsbruck die Klassen Malerei und Grafik. Sie studierte Philosophie und Russisch an der Universität Salzburg sowie Malerei, Grafik und neue Medien an der Universität Mozarteum Salzburg. Seit 2002 leitet sie eine eigene Druckwerkstatt und seit 2006 ist sie Obfrau des Kunstraums „periscope“ in Salzburg. Sie gründete außerdem die„Super“ - Initiative für Zwischennutzung von Leerständen als kulturelle Handlungsräume - und den dazugehörigen Verein, der in und außerhalb von Salzburg Zwischennutzungsprojekte realisiert. An der Universität Mozarteum Salzburg ist sie seit 2015 als Professorin für Grafik und Malerei tätig, in Innsbruck seit 2019.

BfG: Wie ist das Studium am Mozarteum ausgerichtet, mit welchen Vorstellungen kommen die Studierenden zu euch?

Elisabeth Schmirl: Die Vorstellungen und Motivationen der Studierenden zu Beginn ihres Studiums sind ganz unterschiedlich. Das hängt mit bisherigen Erfahrungen und Prägungen zusammen. Unser Studium hier in Innsbruck ist ein Lehramtsstudium für Sekundarpädagogik. Ich beobachte, dass unsere Studierenden großartigerweise das Selbstbild mitbringen, dass sie vermittelnd agieren wollen. Gleichzeitig gibt es den künstlerischen Antrieb, Interesse an Fähigkeiten und Techniken und Interesse am System Kunst. Es gibt bei uns ein Aufnahmeverfahren, einerseits geht es um die pädagogische Eignung, andererseits gibt es eine künstlerische Zulassungsprüfung, wo wir versuchen herauszufinden, ob Offenheit, Potential und Ansätze eines künstlerischen Denkens und Prozesses zu erkennen sind. Im Studium versuchen wir dies gemeinsam und individuell weiterzuentwickeln, zu klären und voneinander zu lernen, denn ebendiese Vielfalt der Vorstellungen und Zugänge als Prozess in der Gruppe zu erleben, zeigt die eigenen Paradigmen.

Wie ist das Studium an der Bildnerischen aufgebaut?

In der Kunstpraxis geht es von den Basiskursen in den vier Bereichen Malerei, Grafik, Bildhauerei und Neue Medien in die Spezialisierung und Vertiefungen. Die Grundlagen dienen erst einmal dazu, sich zu finden – einen Faden aufzunehmen und diesem Interesse zu folgen. Bei uns im Haus wird übrigens die Fachdidaktik und die Kunstpraxis angeboten, der pädagogische Teil ist an der Universität Innsbruck zu absolvieren, weitere Kooperationspartner sind die KPH Edith Stein und die PHT. Wir können ein ziemliches Wachstumspotenzial der Bildnerischen feststellen. In Innsbruck startete das Studium 2016 mit einem Leiter für alle Bereiche, inzwischen darf ich die Klassen Malerei und Grafik leiten und meine Kollegin Beate Engl die Bildhauerei- und Neuen Medien-Klasse. Die Idee wäre natürlich, dass einmal alle Bereiche eine eigene künstlerische Leitungsperson haben. Zwischen diesem Wunsch und der Realität steht noch eine Raumerweiterung, der Bedarf an Arbeitsplätzen bei uns steigt. Aktuell stehen wir bei 53 Studierenden in Innsbruck, Tendenz steigend - es ist schön und herausfordernd zugleich diese Dynamik zu beobachten.

Bei unserem Rundgang durch die Bildnerische haben wir bemerkt, überall wird gearbeitet. Das Studium ist also auch sehr praxisnahe aufgebaut.

Ja, genau. Unsere Werkstätten stehen den Studierenden offen, eigentlich 24 Stunden am Tag. Das ist das Besondere: Wir können den Studierenden sehr viel Freiheit bieten. Vier bis fünf Studierende werden pro Richtung jährlich neu aufgenommen, das heißt die Gruppen bleiben überschaubar – unglaublich wichtig für das kreative Arbeiten sowie für die künstlerische Betreuung, dem sogenannten „künstlerischen Einzelunterricht“! Alles trifft sich einmal in der Woche im Plenum, das ist natürlich ein Teil der Corona-bedingt zurzeit erschwerter umzusetzen ist. Die Basiskurse waren aber auch in Covid-Zeiten, zwar mit vielen Auflagen, in physischer Anwesenheit möglich. Ich glaube, dafür waren uns die Studierenden sehr dankbar. Rückblickend ist viel entstanden in diesem Jahr: Unser klassenübergreifendes Ausstellungsprojekt Alice <3 Gulliver entwickelte sich etwa aus der Not heraus und hat sich zu diesem tollen, über drei Teile erstreckenden komplexen Projekt entwickelt. Zunächst haben wir ein sechs Meter langes Raummodell gebaut, Raum imaginiert und modellhaft genutzt. Um diese Resultate einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde ein digital begehbares Ausstellungsformat entwickelt. Das Raum-Modell war auch in der Plattform 6020 zu sehen. Außerdem haben wir uns temporär in weitere Räume in der Stadt begeben, haben mit Hilfe der „Super“-Inititaive zwei kulturelle Zwischennutzungen organisieren können. Die Bildnerische breitet sich also in neue Raumsituationen aus: Im Bogen 25 wurden Screenings und Ausstellungen gezeigt, Raumgeberin war in diesem Fall die ÖBB. Und auf dem sogenannten Kulturplateau findet nun unsere Abschlussausstellung „Alice <3 Gulliver - Echt jetzt“ statt. Ein kollaboratives Klassendruckwerk ist außerdem entstanden: eine Riso Publikation in einer Auflage von 120 Stück, die ebenso bei der Abschlussausstellung präsentiert wird. Ihr seht, wie wir arbeiten, wir versuchen an Learnings und Handlungsweisen anzuknüpfen und wir wachsen zusammen und wirken gemeinsam – das finde ich besonders wichtig.

Die Bildnerische gibt es aber auch in Salzburg.

Ja, es gibt dort auch das Studium der Bildnerischen Erziehung, ich habe vorher in Salzburg unterrichtet. Salzburg und Innsbruck gehören zu einem Departement für Bildende Künste und Gestaltung. Dieses Miteinander hat etwas wunderbar Konstruktives und Bereicherndes. Die Bildnerische gibt es aber tatsächlich nur hier in Innsbruck, wir decken den Bedarf im Cluster West ab, Salzburg gehört zum Cluster Mitte. Bei uns am Haus ist das Gefüge der Lehrenden, der Studierenden, das Zusammenspiel der Abläufe relativ neu. Wir legen gemeinsam viele Grundsteine, dadurch ergeben sich zukünftige Bedingungen. Ich erlebe meine Kolleg*innen und unsere Studierenden mit unglaublich vielen Kompetenzen und Potential, es macht Freude sich in der Zusammenarbeit kennenzulernen. Denn jede*r bringt seine Fragen und Themen mit, die die Ausrichtung beeinflussen, dieses gemeinsame Entwickeln und Lernen ist für mich ungemein inspirierend.

Darf man sagen, das Mozarteum füllt hier im Westen Österreich, wo keine klassische Akademie beheimatet ist, eine Lücke?

De facto stellen wir fest, dass es hier einen starken Bedarf gibt. Deshalb ging das Mozarteum im Verbund mit den Partnerhochschulen damals 2016 in diese Richtung. Und der Bedarf steigt. Trotzdem ist die Sichtbarkeit für uns nach wie vor ein Thema. Wir sind hier in Innsbruck mit zwischengenutzten Räumen gestartet, sind seit 2019 im Pema untergebracht und merken bereits jetzt, dass die nächsten Schritte anstehen. Was wir außerdem bemerken: Wir decken einen großen Einzugsbereich ab, unsere Studierenden kommen aus Südtirol, aus Vorarlberg, der ganze Westen wird „bespielt“. Es ist schön zu sehen, dass unsere Studierenden später in so vielen Regionen wirken werden.

 
Zuletzt wurden von euch auch der Gang nach außen in Form von Ausstellungen oder Zwischennutzungen forciert, mit denen [der Bildnerischen] in der Stadt weiter steigen soll. Wie entstehen solche Projekte?

 

Die Projekte hängen immer damit zusammen, wie wir uns die Bildnerische gerade vorstellen, welchen Fokus wir finden. Im erweiterten Verständnis meiner künstlerischen Praxis und auch dem meiner Kunstpraxis Kollegin Beate Engl ist es ganz üblich, sich über das eigene Kunstmachen hinaus zu engagieren, zu kollaborieren. Wir waren und sind in unterschiedlichen Initiativen und Gremien tätig. Ich habe mich etwa als Mitglied des Dachverbandes oder des Landeskulturbeirates für Fair Pay in der Kulturarbeit eingesetzt, durfte im Landeskulturbeirat mitwirken, habe den Kunstraum „periscope“ in Salzburg gegründet und die Initiative „Super“, die sich mit Zwischennutzungen kulturelle Handlungsräume eröffnet. Impulse hierzu kommen aus einem Verständnis heraus, dass man in seiner erweiterten künstlerischen Praxis auch für Andere Handlungsraum schaffen möchte und dass dieses Engagement dann auch wieder auf das eigene Schaffen rückwirkt. Diese Praxis, diese Ansätze tragen wir natürlich in die Lehre mit hinein. Die Idee zu Zwischennutzungen ergibt sich im Sprechen über Stadtentwicklungsprozesse in der Reflexion über die eigenen Rolle und wie man als Künstler*in, als Lehrende*r, als Vermittelnde*r oder als Universität ein Teil davon sein möchte und natürlich daraus, dass wir dringenden Raumbedarf haben.

Geht die Initiative auch vonseiten der Studierenden aus?

Prinzipiell geht die Initiative von beiden Seiten aus. Zu oft scheint der Start rückblickend so wichtig. Aber gut, der Impuls kam schon von der Lehrenden-Seite. Schlussendlich sind es aber die Studierenden, die Projekte mit Leben füllen. Beispielsweise ging der Impuls für die Bespielung des Viaduktbogen 25 von mir aus, weil ich durch die „Super“-Initiative das Handwerkszeug hierzu mitbringe. Studierende haben Screenings programmiert und spätere Ausstellungen organisiert. Die Lehrenden stehen ihnen dabei beratend zur Seite, gearbeitet wird im Team. Weil es bei kollaborativen Lernprozessen auch erstmal wichtig ist, einfach dabei zu sein, um gewisse Prozesse und ein Verständnis zu entwickeln. In den Gesprächen merkt man dann schon, dass Fragen und Ideen zu eigenen Initiativen kommen. Außerdem haben wir in der Grafik einen Duplexrisographen, der – sagen wir es mal so – nicht an jeder Ecke zu finden ist. Diese Kompetenz, den durchaus aktivistischen Charakter, der mit dieser Maschine einhergeht, wird natürlich weitergetragen. Es wächst einfach gerade viel.

Bei euch unterrichten auch heimische Künstler*innen, ihr seid auf dieser Seite also auch Arbeitgeber für die Szene.

Es macht für uns absolut Sinn, Kulturschaffende und Künstler*innen, die in der heimischen Szene verankert sind, auch zu uns an die Uni zu holen. Alle die bei uns wirken, haben diese Vermittlungskompetenz und Lust darauf, mit den Studierenden zu arbeiten und Projekte umzusetzen. Zurzeit sind achtzehn Personen in der Lehre engagiert und natürlich die studentischen Mitarbeiter*innen, die dadurch ihre Kompetenzen in unterschiedlichen Bereichen ausbauen.

Fehlt deiner Meinung nach im Westen Österreichs eine „klassische“ Akademie?

Ich stelle eine Gegenfrage: Geht eure Frage nicht auf diesen Bruch zwischen Vermittlungsrolle und Kunstproduktion zurück? In dem Sinne wärt ihr bei mir für diese Frage an der falschen Stelle, weil ich in meiner Arbeit ja so stark an das Vermittelnde glaube. Ich weiß aber, was ihr meint, natürlich wäre es für die Menschen toll, wenn es eine Ausbildungsstätte gäbe, mit der sie später rein in der Kunst wirken könnten. Ich glaube nicht, dass unsere Absolvent*innen rausgehen mit der Vorstellung, jetzt bin ich „nur“ Lehrer*in, jetzt kann ich „nur“ in die Schule. Sie wirken hoffentlich in den Bereichen, wo sie glauben, dass sie Sinn machen. Ich hoffe also, dass diese Frage bei uns gar keine allzu große ist. Von außen betrachtet würde ich sagen, ein freies Kunststudium für Tirol wäre wichtig.

Die Frage rührt vor allem daher, dass es in Tirol eine große Diskussion um Ausbildungsstätten gibt und so mancher Abgang nach Wien damit erklärt wird, dass Tirol jungen Nachwuchskünstler*innen kein fruchtbares Klima bietet.

Vielleicht führt das jetzt auch in eine zu breite Debatte, aber unsere Bewerber*innen kommen ja alle aus einem System, in dem sie immer von außen gesagt bekommen, wie etwas funktioniert und wer sie sind. Der gute erste Teil meiner künstlerischen Grundlagen besteht darin, zu erleben, was passiert, wenn man nicht ständig schon im Blick hat, wo mein einmal hinwill. Man muss manchmal diesen Zielgedanken vergessen, sich öffnen und etwas zulassen. Das Verirren und Verlaufen tut auch gut. Ich habe den Eindruck, dass diese Ausrichtung auf ein bestimmtes Ziel manchmal unhinterfragt ist und wenig Spielraum lässt, uns in der Gesellschaft zu bewegen. Genau diesen fehlenden Spielraum versuchen wir in der Lehre zu schaffen. Die Frage hinter der Frage „Brauchen wir eine Akademie?“ ist jene nach der Nützlichkeit: Würde es uns etwas nützen, eine Akademie zu haben? Und ich stelle mir eine Akademie eben genau als Ort des Verlaufens vor, der in erster Linie keinen Nutzen und dennoch Mehrwert hat. Ein Ort, in dem relevante Dinge passieren, eben nicht, weil man darauf abzielt.

In der Diskussion geht es oft eben auch um die zentrale Frage, wie man eine junge, vitale Szene in Tirol fördern könnte. Und es geht um Sichtbarkeit.

Man hört ja oft diese Fragen nach Relevanz und wie man eine junge Szene ins Haus bekommt. Unsere Strategie im Aufbau ist es aktuell, einfach nachhaltig zu arbeiten: Wir beginnen mit den Erfahrungen der Studierenden und ihren Fragen. Die Frage nach dem "Wie" reisen wir an das Ende von sechs Jahren Studium, "wie" wollen wir sein, ist dann genauso wichtig, wie dass man dort überhaupt ankommt. Diese Erkenntnis bringt einen Wandel im eigenen Tun mit sich. Diese Art des Handelns scheint auch später in allen Bereichen durch – man ist klimatisch sensibel. Abgesehen davon bin ich der Meinung, kulturpolitische Schalthebel wie Bekenntnisse zu günstigen Produktionsräume und ein Bewusstsein für gute Arbeitsbedingungen (Stichwort: Fair Pay für Kulturarbeit) sind wichtige kulturpolitische Maßnahmen, die effektiv helfen, diese kulturellen Klimaziele zu erreichen.

Wie hast du Tirol und die Szene bisher kennengelernt?

Leider noch nicht allzu viel. Ich bin ja noch nicht so lange hier in Innsbruck. Was ich aus Erfahrungen mit ersten Kontakten etwa von Zwischennutzungen sagen kann: Ich erlebe eine große Offenheit. Das sehe ich auch bei unseren Studierenden. Ich finde die Energie sehr schön. Und auf die heimische Kunstszene freue ich mich, besonders nach diesem Jahr, in dem man sich so gut wie nicht so einfach spontan kennenlernen oder treffen konnte.

FACTS

Den Studiengang „Bildnerische Erziehung“ gibt es in Innsbruck seit 2016.
 
Das Fachstudium wird von der Pädagogischen Hochschule Tirol, der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule Edith Stein, der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg und der Universität Mozarteum getragen. Zusätzlich werden neben dem Fachstudium die Bereiche der Bildungswissenschaften und der Allgemein-Pädagogik der Universität Innsbruck angeboten. (Mehr dazu)
 
Die drei Säulen des Studiums bestehen aus Kunstpraxis (ca. 50%), Fachwissenschaft (ca. 25%) und Fachdidaktik (20%). (Mehr dazu)
 
Mittlerweile hat der erste Jahrgang des Masterstudiums begonnen. Bis auf eine Person haben alle Absolvent*innen des Bachelorstudiengangs mit dem Masterstudium begonnen.

EINBLICke IN DIe weRKSTaTT der BILdNeRISChEN:

MIT KuNST aNTwORTEN: 4 FRaGeN aN DIE LehRENDEN dER BILDNeRISCHEN

Welchen Schwerpunkt hat Ihre Lehre?

Agnes Urthaler-Jansa
Bildnerische Rolle
Doris Moser
Aufspüren, teilen, schöpfen.

Bild: Das hab ich dir aus der Stadt mitgebracht, zweiter Teil, 150 x 100 cm, Gouache auf Leinwand, 2020
Elisabeth Schutting
Visuelle Semiotik
Jan Grünwald
Der Grundgedanke meiner Lehre bezieht sich auf Fragestellungen und Problematisierungen, die sich gleichsam in künstlerischen Strategien, Vermittlungsprozessen und alltagskulturellen Artefakten finden. Dabei spielt eine vorausgesetzte Zielorientiertheit viel weniger eine Rolle, als das Aufzeigen/Aufbrechen normativer Strukturen. Hierbei begibt sich der/die Lehrende in eine Situation des produktiven Experimentierens, bei der Inhalte immer prozessual gedacht werden, um so anschlussfähig an die lebensweltlichen Kontexte der Lernenden zu sein. Gayatri Chakravorty Spivak beispielsweise beschreibt ihre Vermittlungsarbeit als die einer Schneiderin, welche für jede einzelne Person maßschneidert: Jede Person ist anders, jeder Kontext so different, dass er immer neue Herangehensweisen erfordert. Vermittlung ist mithin keine Herstellung von Massenwaren, sondern der vorsichtige und langsame Prozess, der immer auf die Angaben der Person angewiesen ist, deren Kleidung geschneidert wird. Die Grundausrichtung meiner Lehre, soll im Vermittlungsprozess kulturelles Vorstellungs- und Handlungsvermögen mitherstellen, sich aber gleichzeitig des Paradoxes der Vermittlungstätigkeit, zwischen Emanzipation und Erziehung, bewusst sein.
Katharina Loidl
Konzeptuelle Schärfung der künstlerischen Ideen undPräsentation der künstlerischen Arbeiten
Lisa Wieder
Grafik – die Studierenden werden dazu angeregt, sich mit verschiedenen Möglichkeiten und Techniken im Bereich der Grafik – und darüber hinaus – auseinander zu setzen und ihre eigenen Projekte zu entwickeln.
Margarethe Drexel
I emphasize the need to consider art within its social, political, personal and intellectual contexts. Teaching art should combine the encouragement of exploration, adventure and risk, with providing students the conceptual and technical tools they will need to produce, understand, and improve their work. My goal in teaching art is to help students not only deconstruct any predetermined notions of identity, history, community, gender or ethnicity, but to develop the methods they need for reassembling complexities in a way that corresponds to their experience.
Maria Walcher
Raum und Zeit erforschen, hinterfragen, experimentieren, tun.

Bild: Maria Walcher, Katharina Schwärzer„Fuge“, 2018
Oliver Beihammer
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Womit hat Sie die Bildnerische und Ihre Studierenden überrascht?

Doris Moser
Wild, absolut, erfinderisch.

Bild: Plaudern, aus der Serie: Willst du mit auf die Weide?, Serie zu 16 Stück, je 18 x 24 cm, Gouache auf Leinwand, 2020.
Maria Walcher
Ein sehr engagiertes Team und motivierte Studierende, die den Auf-und Ausbau des Studiums mittragen

Bild: Maria Walcher, „Körpermaße II“, 2006
Margarethe Drexel
Elisabeth Schutting
Katharina Loidl
Kreative Dynamik, hohes gestalterisches Potenzial, Begeisterungsfähigkeit
Lisa Wieder
Die Studierenden sind großartig. Sie sind wissbegierig und experimentierfreudig. Und selbst in schwierigen und unsicheren Zeiten mutig
Jan Grünwald
Jede Form von intellektueller und ästhetischer Auseinandersetzung ist überraschend und unvorhersehbar. Meine Studierenden am MOZ zeichnen sich dazu noch besonders durch ihre vielfältigen Zugänge zu unseren Themenfeldern aus. Es ist immer alles möglich und ich lerne sehr viel von ihnen.
Oliver Beihammer
Agnes Urthaler-Jansa
Bildnerische Überraschung
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Wie schätzen Sie die Szene in Tirol ein?

Maria Walcher
Im Aufbruch

Bild: Maria Walcher, “7x4:out of order”, 2014
Margarethe Drexel
Oliver Beihammer
Jan Grünwald
Aufgrund von Covid und meiner eingeschränkten Anwesenheit, kann ich zur tiroler Szene leider noch keine Angaben machen.
Katharina Loidl
facettenreichund divers, subversiv, weltoffen, breitaufgestellte Kunst- und Kulturszeneam Puls der Zeit
Lisa Wieder
Bild: Lisa Wieder, Titel: Hallo! Öl auf Leinwand, 2020.
Doris Moser
steil, offensichtlich, frisch.

Bild: Plaudern, aus der Serie: Willst du mit auf die Weide?, Serie zu 16 Stück, je 18 x 24 cm, Gouache auf Leinwand, 2020.
Agnes Urthaler-Jansa
Elisabeth Schutting
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Was für eine Rolle könnte die Bildnerische einnehmen?

Elisabeth Schutting
Margarethe Drexel
Any art practice requires an awareness of the complex contexts converging at the site where they will be engaged, where these very contextual complexities will once again be transformed, upheaved and challenged. A teaching practice then is always sensitive to the play between two competing impulses - established techniques and a critical orientation toward receiving them in the classroom. The spaces of history and politics similarly oscillate between structural fixity and historical-reactionary adaptation: we must remain vigilant and struggle to critique the representation of the social body in public space that does not reflect our complexities;
Agnes Urthaler-Jansa
Doris Moser
anwachsen, aufsteigen, hindeuten.

Bild: Stiefelchen, aus der Serie: Willst du mit auf die Weide?, Serie zu 16 Stück, je 18 x 24 cm, Gouache auf Leinwand, 2020.
Oliver Beihammer
Maria Walcher
Ein wichtiges Standbein der Innsbrucker Kunstszene im Zusammenspiel mit anderen Kunst-und Kulturinitiativen und Institutionen. Ein Ort der Forschungund des interdisziplinären Austauschs.

Bild: Maria Walcher, „Transhumanz“, 2018
Jan Grünwald
Im Sinne der Sprachwissenschaftlerin Mary Louise Pratt, kann man hoffen, dass wir einen Beitrag leisten können, um in Innsbruck und Tirol kulturell „The Arts of the Contact Zone“ zu etablieren: „Along with rage, incomprehension, and pain there were exhilarating moments of wonder and revelation, mutual understanding, and new wisdom – the joys of the contact zone. The sufferings and revelations were, at different moments to be sure, experienced by every student. No one was excluded, and no one was safe.“
Katharina Loidl
Förderung junger Talente, künstlerischer Bildungsauftrag für die kommende Generation
Lisa Wieder
Die Bildnerische ist ein Ort des künstlerischen Austausches, der Entwicklung, des gemeinsamen Lernens und Erforschens. Als solcher Ort ist sie von enormer Bedeutung für Studierende, Besucher*innen und die Kunstszene in Tirol .... und noch weit darüber hinaus
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> BfG

aLICE <3 GuLLIVER: wERKE DER STUDIERENDEN IN DER PLaTTFORM 6020, INNSBRUCK

waS DENKEN DIE STuDIERENDeN?

Wie ist euer Eindruck vom Studium an der Bildnerischen?

„Ich habe das Studium als eines mit besonders viel Freiraum wahrgenommen, andererseits ist es auch sehr zeitintensiv und fordernd.“

> Leah Camilla Rusch

> Sophie Gruber

„Ich bin nun zwar erst im zweiten Semester, aber mir gefällt das Studium wirklich hervorragend! Bin positiv überrascht, dass die Bildnerische über den konventionellen BE-Unterricht, der zu meiner Schulzeit noch als reiner „Zeichenunterricht“ gehandhabt wurde, hinausgeht und diese Grenzen bewusst überschreitet – beispielsweise im Sinne der Digitalität.

{…} Mir ist die Relevanz von Bildnerischer Erziehung nun erst so richtig bewusst geworden. Einerseits geht es darum, sich in einer bildüberfluteten Alltagswelt zurechtzufinden, und andererseits besitzt – insbesondere Kunst – das Potential diverse Gedankenstöße zu geben, den Raum für Reflexion zu öffnen und Diskurs zu schaffen.

{…} Ich habe mich vorab bei Studierenden der Bildnerischen erkundigt, die mich durchaus ermutigt haben, mich zu bewerben, bis ich es einfach probiert habe und siehe da: Hier bin ich und bereue es keine Sekunde.“

> JANINE ZUMTOBEL

aUSSTELLUNg DeR STuDIeRENDEN IM VIaDUKTbOGEN 25, INNSbRUCK

> Sophie Gruber & BfG

NÄCHSTER BEITRAG
Sommer = „Gegenwartskunst-Festivalzeit“, hier.

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